TAG Heuer Connected mit Windows Phone/Windows 10 Mobile

Geschrieben von (30.12.2015 18:00 CET)

Smartwatches sind in aller Munde, manchmal habe ich aber das Gefühl, dass das Ganze nicht so recht zünden will. Das liegt scheinbar vor allem daran, dass die aktuellen Geräte weder Fisch noch Fleisch sind, sich also so recht nicht entscheiden können, ob sie Uhr oder Fitnesstracker sein wollen. Die meisten gehen dann recht eindeutig in die Richtung „Fitnesstracker mit Smartwatch-Funktion“ und stellen sich sportlich dar, spritzwassergeschützt und widerstandsfähig, aber den Uhr-Faktor lassen sie meist außen vor. Zudem sind die meisten Smartwatches für Android (mit Android Wear) oder für iOS (die Apple Watch), nur ganz wenige sind auch für Windows Phone geeignet. Das Microsoft-eigene Band 2 macht hier eine Ausnahme und unterstützt gleich alle drei mobilen Systeme, aber auch hier wird der Fokus deutlich auf Fitnesstracker gelegt, zumindest vom Design her.

TAG Heuer, der Traditions-Uhrenhersteller aus der Schweiz, hat vor einigen Wochen mit der Connected eine Smartwatch vorgestellt, die vor allem dem Anspruch einer Markenuhr entsprechen soll, und dazu dann eben Smartwatch-Funktionen integriert hat. Leider allerdings auch hier die Wahl der schlechtest möglichen Alternative (so zumindest meine Meinung): Android Wear ist der Kern der Smartphone-Funktionalität, und so bleibt einmal mehr der Windows Phone-Benutzer ausgeschlossen.

Das allerdings muss nicht sein: Über einen kleinen Trick (und die Zusatzinvestition in ein einfaches Android-Gerät als Hub für die Benachrichtigungen) lässt sich die Connected auch mit einem Windows Phone betreiben, im Test mit einem Microsoft Lumia 950 und 950XL mit Windows 10 Mobile. Dies gilt übrigens für alle Android Wear-Geräte, die integriertes WLAN haben, nicht nur für die TAG Heuer Connected!

 

Der Kern dieses Tricks ist die bei den neuen Android Wear-Geräten (so z.B. auch der Huawei Watch, der LG Urbane, der Motorola Moto 360 der zweiten Generation) verfügbare WLAN-Funktion. Uhr und Android-Smartphone müssen nicht in direkter Reichweite sein, es reicht, wenn beide Geräte eine Internetverbindung haben. Das Smartphone sendet die Benachrichtigungen an die Cloud, die Uhr sammelt sie ein, und das innerhalb weniger Sekunden. Was wäre also einfacher als auf dem Windows Phone einen Hotspot aufzumachen und die Uhr damit zu verbinden?

Zuerst muss hier die Einrichtung der Connected mit dem Android-Gerät vorgenommen werden. Dann sollte der Hotspot auf dem Phone aktiviert werden, und in den Einstellungen der Uhr unter WLAN das WLAN des Hotspots ausgewählt werden. Die Eingabe des WLAN-Schlüssels muss dann einmalig zwingend auf dem Android-Gerät vorgenommen werden, danach verbindet sich die Uhr automatisch mit diesem Hotspot, wenn das gekoppelte Android-Gerät außer Reichweite ist. Vom Eingang der Email-Benachrichtigung auf dem Windows Phone (das ja selber abfragt) bis zum Eingang der Benachrichtigung auf der Uhr (über den Umweg Android-Gerät->Cloud->Uhr) vergehen nur wenige Sekunden. Und das trifft natürlich auch die anderen Benachrichtigungen wie Nachrichten, Facebook, WhatsApp und mehr. Einzig Anrufe sind ehe suboptimal über die Uhr entgegenzunehmen, denn bis die Anrufbenachrichtigung aufläuft (was sie auch tut!) ist der Anruf meist schon über das Windows Phone angenommen.

 

Was auf den ersten Blick wie ein hakeliger Workaround klingt, funktioniert in der Praxis erstaunlich gut: Mir fällt schon lange nicht mehr auf, dass ich eigentlich keine native Windows Phone-Uhr am Arm habe... so nahtlos und unsichtbar funktioniert dieser Weg. Einzig zu beachten: Der Hotspot des Telefons muss manuell aktiviert werden, wenn die Uhr vorher zuhause im WLAN oder in Reichweite des Android-Gerätes war, denn dieser deaktiviert sich bei Nichtbenutzung automatisch.

Wer Sorge hat, dass der Akku der Uhr oder des Telefons unter der WLAN-Verbindung im Handumdrehen leer wird: beide Geräte laufen deutlich über einen Tag bei normaler Benutzung. Das mag minimal weniger sein als ohne die WLAN-Verbindung, aber kaum spürbar.

 

Die TAG Heuer Connected ist für mich persönlich eine Offenbarung. Ich war seit jeher ein Freund von sportlichen, massiven Uhren, und in sofern mit keiner der bisher genutzten Smartwatches wirklich glücklich (Apple Watch, Huawei Watch, Motorola Moto 360, LG Watch R, Samsung Galaxy Watch). Die Connected konzentriert sich darauf, eine TAG Heuer Carrera zu sein, nutzt deren Look, die Haptik, sogar die Zifferblätter. Auf den ersten Blick hat man eine Uhr vor sich... und erst wenn das Display vom abgedunkelten Modus aufblendet, dann fällt auf, dass es sich um eine Smartwatch handelt. Titan, Kautschuk beim Armband, die Titanschließe mit dem Firmenlogo, die Krone, die Connected kann ihre Herkunft nicht verleugnen. Und das hilft – je nach Anspruch – auch darüber hinweg, dass sie im Vergleich zu anderen Android-Smartwatches eher mager ausgerüstet ist: Weder Pulsmesser noch GPS sind integriert, einmal mehr ein Hinweis, dass TAG Heuer sich eher als Uhrenhersteller sieht.

Der Akku der Connected wird mittels einer beiliegenden Ladeschale geladen, das geht recht schnell von statten. In normaler Anwendung mit dauerhaftem Bluetooth-oder WLAN-Kontakt zu einem Smartphone hält der Akku deutlich über einen Tag durch, genug also, um ohne Sorge damit arbeiten zu können.

Preis:

EUR 1350,- bei TAG Heuer in München (auch per Versand), Lieferzeiten variieren. Eine Online-Bestellung soll im Laufe des Jahres 2016 möglich sein.

Fazit:

Die Frage bleibt: Was erwartet man von einer Smartwatch, und davon hängt es ab, ob man die Nutzung als sinnvoll erachtet. Für mich geht es primär darum, meine Benachrichtigungen vom Handy zu bekommen und daran entscheiden zu können, ob ich selbiges aus der Tasche holen muss oder nicht. Abgesehen davon möchte ich eine stylische Uhr am Handgelenk haben, und daran scheitern die meisten Mitbewerber meinem Empfinden nach kläglich. Das bringt der Connected das Alleinstellungsmerkmal: Sie ist Markenuhr, Designobjekt und Schmuckstück statt funktionaler Fremdkörper, und macht damit eine Menge Spaß. Ob der Preis von EUR 1350,- (so man sie aktuell überhaupt bekommt) angemessen ist, das muss jeder Anwender für sich selbst entscheiden. Einen gewissen Werterhalt hat man allerdings: Nach zwei Jahren kann die Uhr gegen einen einmaligen Aufpreis von nochmal EUR 1350,- gegen eine mechanische Carrera-Uhr aus dem Hause TAG Heuer getauscht werden (die Angaben sind nicht ganz eindeutig: entweder wird das elektronische gegen das mechanische Werk getauscht oder die ganze Uhr). Damit bietet die Connected im Gegensatz zu aller Konkurrenz die Nachhaltigkeit einer Luxusuhr. 

Der Nebeneffekt: Neben dem Windows Phone bedarf es eben noch eines Android-Gerätes, das die Verbindung der Benachrichtigungen zur Cloud herstellt, und - der allgemeinen Datenschutzdiskussion entsprechend - natürlich auch der Bereitschaft, dass man einen Google-Dienst nutzt, der die eigenen Benachrichtigungen lesen darf. Allerdings: Wer Android nutzt, hängt sowieso schon an genau diesem Fliegenfänger... :)

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