SonyEricsson XPERIA X10 Android 1.6

Geschrieben von (12.04.2010 00:05 CET)

Das Smartphone-Engagement von SonyEricsson steht einfach unter keinem guten Stern: Erst setzte man auf UIQ, der Konkurrenzplattform zu Symbian, was sich spätestens beim Zusammenbruch des Konsorziums als fatal erwies: Plötzlich stand der schwedische Traditionskonzern ohne Alleinstellungsmerkmal da, die Verwendung von Symbian für die „kleineren“ Modelle war wenig hilfreich.

Und dann der scheinbare Fluch, der auf der XPERIA-Highend-Serie liegt: Schon das Windows Mobile-Gerät XPERIA X1 hatte mit massiven Verschiebungen zu kämpfen und kam quasi schon „veraltet“ auf den Markt. Dem Nachfolger X2 erging es gar noch schlimmer: Seit mittlerweile 5 Monaten immer wieder verschoben ist die Wahrscheinlichkeit einer tatsächlichen flächendeckenden Vermarktung mittlerweile nahe Null: Soll heißen: Niemand rechnet mehr damit, und SonyEricsson selbst schweigt das Thema tot.

Nun war schon im Vorfeld mit dem XPERIA X10 das erste Android-Gerät angekündigt, und auch das kommt mit gehöriger Verspätung auf den Markt... und eigentlich nicht mehr auf der Höhe der Zeit mit Android 1.6 (statt 2.0 oder 2.1 wie die ärgsten Konkurrenten wir das HTC Desire, das HTC Legend oder das Google Nexus One etc.). SonyEricsson wirbt zwar damit, dass man mit der eigenen Oberfläche viele der Lücken in Android 1.6 ausgemerzt habe, den Gehalt dieser Aussage aber soll dieser Test überprüfen.

Betrachtet man die Unterschiede zwischen 1.6 und 2.x, dann fehlt vor allem die native Exchange-Unterstützung. Eine Synchronisation ist im Standard nur mit den Google-Services möglich. Sony Ericsson fängt dies durch die mitgelieferte online-Synclösung lokal auf, für Exchange-Benutzer ist die Alternative unschöner: Hatte HTC beim Hero damals noch eine eigene Erweiterung integriert und diesen Mangel unsichtbar ausgemerzt, so setzt SonyEricsson auf eine separate Applikation: Synchronisation mit einem Exchange-Server mittels „Moxier“, einer zugegeben guten und leistungsfähigen Anwendung, die erst einmal im normalen Betrieb gut funktioniert, inkl. Push-Mail. Auf den zweiten Blick aber ist die Lösung suboptimal: Die Termine werden gar nicht in den Standard-Kalender des X10 übertragen, die Kontakte zwar schon, sind dort allerdings nicht mit dem Moxier-Konto verbunden. Soll heißen: Eine Änderung an einem Kontakt oder ein neu angelegter Kontakt werden nicht auf den Server zurück gespielt. Das wäre noch nicht ganz so schlimm, wenn man konsequent die Moxier-Anwendungen verwendet... aber einen eingegangenen Ruf kann man als Kontakt eben nur in der Standard-Kontakteanwendung speichern.

Fair betrachtet ist dies allerdings natürlich ein Thema, das nur wenige Anwender trifft: Das X10 ist nicht als Business-Gerät ausgerichtet, sondern richtet sich eher an den „Normalanwender“ (was den Businessanwender aber nicht vollends ausschließt). SonyEricsson hat sich – ganz im Einklang mit den anderen XPERIA-Geräten – vor allem mit der Oberfläche beschäftigt und dieser einen eigenen Stempel aufgedrückt.

Dies teilt sich in zwei Bereiche: Timescape konsolidiert die Informationen aus Email-Konten, Sozialen Netzwerken, Anrufen und Medien auf dem Gerät. Soll heissen: In Form eines Kartenstapels können aktuelle Tweets, Facebook-Nachrichten, meinVZ-Nachrichten, Emails, SMS, Anrufe und verwendete Medien (Musik, Bilder) chronologisch angezeigt, wahlweise als ein großer Stapel oder als separate pro Dienst. Die so genannten „Splines“ sollen einen schnellen Überblick über alle Aktivitäten von Freunden geben, die chronologisch sortiert in Karten dargestellt werden. Diese Aggregation von Informationen soll der Idee nach einen direkten Überblick über die Aktivitäten der definierten Freunde schaffen und wäre Ende des vergangenen Jahres ein Alleinstellungsmerkmal gewesen. Leider aber holt auch hier die Konkurrenz auf: HTC hat gerade mit dem „Friendstream“ auf dem HTC Legend und dem HTC Desire (letzterer ohne Frage einer der Hauptkonkurrenten des X10) etwas Ähnliches eingeführt, und ganz objektiv: von der Präsentation und Nutzbarkeit deutlich besser. Timescape will zu viel auf zu wenig Platz und in der falschen Darstellung: Der Erfahrung nach ist die Zielgruppe in mehr als einem sozialen Netzwerk aktiv und nutzt E-Mails als ergänzendes Kommunikationsmittel. Dies alles in einem Bildschirm zu konsolidieren, ist eine Mammutaufgabe, wenn man dem Anwender die Möglichkeit geben will, die Übersicht nicht zu verlieren... und genau das gelingt Timescape nicht. Die Karten sind leicht räumlich angeordnet, damit man sie lesen kann, muss man sie antippen. Um dann aber weiter rollen zu können, muss man wieder neben die Karte tippen, rollen, antippen etc., kurz: wenig ergonomisch und bei einer durchschnittlichen Zahl von „Freunden“ wenig effektiv. Schade...

Mediascape verknüpft die Aufgaben eines Medienplayers (inkl. der Synchronisation der Cover der gefundenen Musikstücke) mit einem Online-Shop, in dem Musik bezogen werden kann (unter anderem auch inkl. der von Shazam bekannten Erkennungsfunktion). Im Vergleich zum Android-internen Medienplayer sicherlich eine lohnenswerte Anwendung.

Wo die Software nicht punkten kann, da ist manchmal zumindest die Hardware ein Argument für den Kauf eines Gerätes, doch leider ist SonyEricsson auch hier nicht der große Wurf gelungen. Bei einem Gerät dieser Größe ist es ein Risiko, alleine hochglänzendes Plastik einzusetzen, wie es bei der Front der schwarzen und weißen Variante des X10 der Fall ist. Der visuelle Gesamteindruck der Front schwankt folgerichtig auch zwischen „billig“ und „geht gerade noch so“, abhängig von der sichtbaren Zahl der unvermeidbaren Fingerabdrücke. Bei der weißen Version setzt sich dieser Eindruck auch noch auf der Rückseite fort, während die schwarze Version einen gummierten, griffigen Batteriedeckel hat. Dieser wiederum sieht mit seinem eingelassenen SonyEricsson-Logo und der leicht gebogenen Form hochwertig aus... das reicht aber nicht, um den Gesamteindruck des Geräts spürbar zu verbessern.

Auch die Tatsache, dass sich der microUSB-Stecker am oberen Gebäudeteil befindet und sich hinter einer Plastikabdeckung verbirgt, ist gut gemeint... aber ungünstig umgesetzt. Gefühlt hält diese Abdeckung keine fünfzig Ladevorgänge, bis die dünne Halterung aufgibt, und auf Grund der exponierten Stelle wäre das alles andere als schön.

Das Display des XPERIA X10 benutzt die gleiche „unübliche Auflösung“ von 480*854 Pixeln wie das Motorola Milestone/Droid, ganze 54 Pixel mehr als ein normales WVGA-Gerät. Dies klingt auf dem Papier wenig, in der Praxis aber bringen diese tatsächlich einen spürbaren Vorteil, wenn man auf nicht mobile optimierten Seiten surft.

Allgemein sind Display und Gehäuseform gefällig und machen in der Nutzung sowohl in der normalen Bedienung als auch beim Surfen Spaß.

Was allerdings vollkommen unverständlich bleibt: Das X10 verwendet ein kapazitives Display... aber ohne Multitouch. Die bei allen Konkurrenten zum Standard der Bedienung gehörenden Fingergesten zum Zoomen in eine Internetseite oder ein Bild sind schlichtweg nicht implementiert. Dies „soll“ nachgeholt werden, ohne Angabe eines Zeitpunkts aber ist das Vertrauen aus der Erfahrung nicht wirklich das grösste.

Preis:

Strassenpreis ca. EUR 500,-

Fazit:

Eine zusammenfassende Bewertung des SonyEricsson XPERIA X10 ist schwer: nimmt man es für sich alleine, dann ist es durchaus nutzbar und gefällig, wenn auch die Wahrscheinlichkeit von Begeisterungsstürmen eher gering ist. Der Formfaktor, das große Display und die kleinen Tweaks, die SonyEricsson an Android vorgenommen haben, machen aus dem X10 durchaus eine Alternative zum iPhone.

Im Gesamtzusammenhang aber ist das X10 ein klassischer Vertreter der XPERIA-Reihe: Durchdacht, aber leider Monate zu spät am Markt. Jedes Android Gerät muss sich an der Konkurrenz von Google (mit dem Nexus One) und HTC (mit dem Desire) messen lassen, und so schade dies ist: Hier verliert das X10 in allen Bereichen.

Am Ende ist es eine persönliche Vorliebe eines jeden Anwenders, für mich aber ist es traurig, dass eine Marke mit einem solchen Potential wie SonyEricsson es konsequent schafft, ihre im Highend-Bereich platzierte XPERIA-Reihe durch Verspätungen im Marktstart zu torpedieren. Bisher bei jedem Gerät war die eigenen Benutzeroberfläche einer der Gründe dafür, dass die Geräte später als geplant einsatzbereit waren und auch bei Betriebssystem-Upgrades spät oder gar nicht bedacht wurden. Die Ankündigung von SonyEricsson, man wolle dem X10 ein Update angedeihen lassen, geht nicht darauf ein, ob es auf Android 2.0 oder 2.1 gebracht werden soll... wenn denn überhaupt.

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