(19.05.2010 00:00 CET)
Der Mensch ist von Natur aus vergesslich: Ist er mit anderen Dingen beschäftigt, dann lässt er schon einmal seinen Schlüssel, sein Portemonnaie oder sein Handy liegen. Merkt er es schnell, dann lässt sich der Schaden noch in Grenzen halten, das klassische „Handy im Taxi liegenlassen“ aber kommt immer wieder vor. Wie schön wäre es doch, wenn man dann direkt gewarnt würde...

Genau dies verspricht Nio, ein kleines Bluetooth-Tag im Format eines Schlüsselanhängers. Dessen Funktionsweise basiert darauf, dass er mit einem Mobiltelefon (aktuell Windows Mobile und Symbian, Android ab Sommer, iPhone in Vorbereitung) gekoppelt wird und die darauf laufende Software den Empfang des Signals überwacht.

Über die Software kann eingestellt werden, ob das Tag aktiv ist, wie die Sicherheitszone beschaffen ist und wie die Alarmierung stattfinden soll. An einem Beispiel: Das Tag wird scharf geschaltet und beispielsweise an einer Tasche oder einem Schlüssel befestigt. Je nach der Wahl der Sicherheitszone (in „High Risk“, „Medium Risk“ und „Low Risk“ aufgeteilt, was einfach nur den maximalen Abstand zwischen Gerät und Tag bestimmt) kann man sich nun einen gewissen Abstand von dem Gegenstand entfernen, bis sowohl das Tag beginnt zu piepen als auch das mobile Gerät mit Ton und Vibration auf sich aufmerksam macht.

Die Anwendungsfälle sind vielfältig: Das klassische Beispiel sicherlich ist der verlorene Schlüssel. Befestigt man das Nio am Schlüsselbund und bewegt sich mit dem Smartphone (das man meist in der Hemdtasche oder am Gürtel hat) ohne den Schlüssel weg, dann machen sich beide deutlich bemerkbar. Für diese Anwendung gibt es noch eine nette Zusatzfunktion: Das Tag kann lokalisert werden, selbst wenn es gerade nicht aktiv überwacht wird, indem einfach in der Software die „Locate“-Funktion aktiviert wird. Das so gefundene Tag – soweit es sich in Bluetooth-Reichweite befindet – piept dann solange, bis der Alarm wieder ausgeschaltet wird. Im Test war die Reichweite beeindruckend: Das Tag im Büro im 2. OG, das Gerät im Keller, auch dort war sowohl die Überwachung als auch der „Locate“-Ruf problemlos möglich.

Die andere Wirkungsrichtung ist natürlich ebenfalls problemlos möglich: Oft will man verhindern, dass einen Gegenstand unerlaubt bewegt oder weggenommen wird. Dazu befestigt man das Tag daran und schaltet in der Software die Bewegungsmeldung ein. Sobald das Tag erschüttert wird, der Gegenstand, an dem es hängt, bewegt wird, fängt das Tag an zu piepen und das mobile Gerät an zu vibrieren und zu piepen.

Von der Theorie her eine wirklich sinnvolle Idee, und durch den mehrere Tage im Bereitschaftsmodus haltende Akku des Nio, der per mini-USB-Stecker aufgeladen wird, auch eine praktikable. Leider ist die momentane Umsetzung noch ein wenig hakelig, denn das Ausschalten des Alarms am Tag funktioniert nicht immer zuverlässig.
An einer Anekdote nach Testende lässt sich dies anschaulich beschreiben:
Das Tag war bereits wieder eingepackt und lag im Büro auf dem Poststapel und ich war auf dem Weg zu einem Termin. Im Erdschoss fängt der HTC HD2 plötzlich an zu vibrieren und ganz leise höre ich das Tag aus dem Dachgeschoss aus seinem Paket wild piepen. Kein Problem, einige Stufen die Treppe hoch und per Programm das Tag ausschalten war der Plan... der aber kläglich scheiterte: das Tag verstummte, der HD2 alarmierte munter weiter, und da die Alarmierung per Popup auf dem Bildschirm erscheint, war es auch nicht möglich, das Programm zu beenden. Kein Problem, das sich nicht durch einen Reset des HD2 lösen lassen sollte. Leider führte das dazu, dass das Tag wieder anfing zu piepen. Nach dem Ausschalten des Tags startete wieder die Alarmierung am HD2, und so weiter ... Hier hilft nur ein Reset des Tags selbst, was aber unschön ist. Im Juli 2010 soll eine verbesserte Version des Nio auf den Markt kommen, vielleicht wird dann auch die Software stabiler.
Nette Grundidee, aber noch etwas wackelige Umsetzung.
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