Test: MagicMaps2Go

(13.12.2007 00:00 CET)

Navigation ist seit Jahren ein Thema, das den mobilen Menschen massiv beeinflusst. schaut man sich die Armaturenbretter und Windschutzscheiben der in der Dämmerung vorbeiziehenden Autos an, liest man die Diskussionen in den verschiedenen Medien, dann kann man fast zum Eindruck gelangen, dass jemand ohne Navigationssystem schon fast hinter dem Mond lebt.
Allerdings ist diese Entwicklung wie so viele technische Entwicklungen sehr "gerichtet". Autonavigation ist das Thema, mit ein wenig Glück auch die Navigation per Fahrrad oder zu Fuß, aber immer basierend auf Kartenmaterial, das auf Straßenkarten basiert. Und genau dort liegt die Crux: wer sich im Gelände bewegen will, ohne den Mief der Autos einzuatmen, der wird seltenst befahrbare Straßen nutzen. Feldwege, Wanderwege, Pfade abseits der "Zivilisation" und ihrer Infrastrukturen sind aber eben nicht von Interesse für die Kartenhersteller von Navigationssystemen, und damit entsteht hier eine Lücke, die nur schwer zu füllen ist.
In ihrer Verzweiflung sind einige Anwender dazu übergegangen, sich diese Karten selbst zu erstellen und zu kalibrieren (z.B.http://www.oziexplorer.com), dieser Prozess aber ist recht mühsam.

Und schließlich muss man ja nicht alles selbst machen.. :-D
MagicMaps besteht aus zwei Komponenten: Der Pocket PC-Software Maps2Go und den Interaktiven Kartenwerken als Ausgangs-Kartenmaterial. Diese setzen sich aus den detaillierten amtliche Karten der Landesvermessungsämter im Maßstab 1:25.000 zusammen und im Schnitt gerade mal 5 Prozent im Vergleich zum Preis für die entsprechenden Papierkarten. Sie sind sortiert nach den einzelnen Bundesländern, teilweise (z.B. für Bayern und Nordrhein-Westfalen) sind diese noch mal in Ost und West aufgeteilt und werden als separate DVDs angeboten.

Hier kommt der erste Punkt, bei dem man umdenken muss: Jedes Kartenwerk liegt bei EUR 49,90. Benötigt man mehrere Karten, dann kann Deutschland als West, Ost, Nord oder Süd (für jeweils 149,90) als als Deutschland Gesamt (für EUR 549,90). Der Navigationserfahrene schreckt jetzt zusammen und rechnet nach: Für das komplette Europa-Kartenmaterial eines TomTom Navigator beispielsweise zahlt man gerade mal zwischen 50,- und 100,- Euro. Hier hinkt der Vergleich: das bei MagicMaps verwendete Kartenmaterial ist deutlich umfangreicher und detaillierter. Ein Beispiel: Alleine der Bereich Düsseldorf nimmt schon knapp 40MB an Platz in Anspruch, während die TomTom-Karte von Deutschland, Österreich und der Schweiz weit weniger als das zehnfache an Platz beansprucht.


PDA Zubehör

Auf dem PC können dann mit den Kartenwerken die verschiedensten Aktionen durchgeführt werden: Ein großer Teil der Funktionalität dreht sich im die virtuelle Planung von Routen. So können Wegpunkte gesetzt werden, Fotos und Webseiten damit verknüpft werden, detaillierte Tourenprofile erstellt und gedruckt werden, etc. Viele der Funktionalitäten bietet dabei ein "normales" Navigationssystem nicht einmal: Wo kann man beispielsweise sonst die für Radfahrer so wichtigen Höhenprofile ansehen?

Der zweite, für diesen Test weitaus wichtigere Teil ist die Verbindung zu diversen mobilen Geräten. neben Standard-GPS-Empfängern von Garmin, etc. eben auch zu einem Pocket PC mit Windows Mobile. Um diese nutzen zu können ist die mobile Komponente Maps2Go nötig, die sowohl auf dem Pocket PC (zum Betrieb) als auch auf dem PC (zur Aktivierung der Schnittstelle zwischen PDA und PC) freigeschaltet werden muss.
Dann ist die Anwendung ganz einfach: Man erstellt einen Kartenausschnitt auf dem PC, indem man sich einen Ort sucht und die Kartenansicht entsprechend durch Bewegen und Zoomen anpasst. Die Interaktiven Kartenwerke greifen dann direkt auf die Verbindung zum PDA zu und legen die Karte (sinnvollerweise auf der Speicherkarte) ab. Von dort aus können sie mit MagicMaps2Go auf dem Pocket PC geladen und verwendet werden.
Wer jetzt erwartet, mit einem reinen Anzeigeprogramm "abgespeist" zu werden, der läuft fehl: Natürlich kann die Kartenansicht dazu genutzt werden, über einen angeschlossenen GPS-Empfänger die Position dargestellt zu bekommen, aber das ist nur ein Teil der Vorteile des Programms. Konsequenterweise können zum einen geplante Touren vom PC aus übertragen und angezeigt werden und somit eine rudimentäre Navigation gestartet werden. Besonders auf Grund der Tatsache, dass die topographischen Karten selten Straßennamen enthalten, ist dies sinnvoll.

Aus meiner sicht viel wichtiger (und ein Wunsch vieler Wanderer und Radler) kann der Anstoß genauso vom Pocket PC ausgehen: Man ist unterwegs und bewegt sich im Gelände, möchte dies aber aufzeichnen, später analysieren oder, weil es besonders schön war, für die spätere Verwendung archivieren. Dazu kann festgelegt werden, in welcher Frequenz Wegpunkte aufgezeichnet und dem Track hinzugefügt werden, MagicMaps2Go zeigt dann auf der Karte eine deutlich sichtbare Linie an und führt sie mit.

So zusammengestellte Tracks können auf den PC zurück übertragen werden und dort weiterbearbeitet werden.
Die Kombination aus dem hochgenauen Kartenmaterial und den vielfältigen Funktionen bildet ein Gesamtpaket, dass den Bedarf jenseits der Straßennavigation abdeckt und die detaillierte Planung und Verfolgung einer Wanderung oder Fahrradtour deutlich vereinfacht, Dinge, die ein normales Navigationssystem einfach nicht abdecken kann.

Preis: EUR 29,99 direkt
Fazit: Was mir besonders gefällt: MagicMaps2Go ist vollkommen intuitiv und ohne großen Lerneffekt zu bedienen. Dies beginnt bei der Konfiguration, die den Satellitenempfänger (im Beispiel das interne GPS des HTC TyTN II (Kaiser)) vollautomatisch erkennt, und spannt sich über alle Funktionen und Bildschirme, die MagicMaps2Go zur Bedienung bietet. Man erkennt deutlich, dass hier Entwickler am Werk waren, die selber den Wert dieser Anwendung erkannt haben und damit dem "Standardanwender" entsprechen.
Einen Irrtum sollte man allerdings vermeiden: Natürlich ist MagicMaps2Go kein Ersatz für ein Straßen-Navigationssystem bzw. kann diese Aufgabe nur rudimentär erfüllen. Das aber ist auch nicht der Zweck des Programms: Bei Rasterkarten ist beispielsweise kein "Set on Track" möglich, also das Korrigieren der vom GPS empfangenen Position (mit ihrer von der Empfangsqualität abhängigen leichten Streuung) auf die wahrscheinlichste Straße möglich, so kann es passieren, dass die Position auf einer Bundesstrasse auf der Gegenfahrbahn angezeigt wird. Bei der Qualität der heutigen GPS-Empfänger ist das aber verschmerzbar!

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