Windows Phone lebt: Welche Trends Microsoft zurückbringen könnten

Eigentlich schien das Aus für Microsofts Smartphones bereits besiegelt: Der Marktanteil von Windows Phone ist in den letzten Jahren immer weiter zurück gegangen, zuletzt lag er bei nur noch 0,1 Prozent. Zum Vergleich: Das ebenfalls offen gestaltete Android-Betriebssystem konnte seinen Markanteil weltweit auf 87,7 Prozent erhöhen. Jetzt hat Microsoft alle schockiert: Windows Phone ist gar nicht tot, es soll besser als zuvor zurückkommen und dabei "revolutionär" werden. Mit welchen revolutionären Features könnten die Windows Phones jedoch aufwarten? Aktuell gibt es mehrere Trends im mobilen Sektor, auf die Microsoft aufspringen könnte.

Gesichtserkennung und andere Biometrik

Mit seiner Face ID genannten Technik hat Apple die Gesichtserkennung bei Smartphones auf einen Schlag massentauglich gemacht: Noch vor wenigen Monaten war das Feature als unsicherer Gag verschrien, es schien unvorstellbar, dass Apple in seinem neuen iPhone auf einen Fingerabdrucksensor verzichten würde. Jetzt ist es doch geschehen und laut Angabe des Unternehmens ist seine Software zur Gesichtserkennung noch akkurater als der Vorgänger Touch ID: Eins zu einer Million soll die Wahrscheinlichkeit betragen, dass Face ID sich bei einem Gesicht irrt, selbst für gute Fingerabdrucksensoren lag die Rate lediglich bei eins zu fünfzigtausend. Schafft Microsoft es, seine eigene sichere Technologie zu entwickeln (ob Gesichts- oder Retina-Scanner) so wäre das ein enormer Wettbewerbsvorteil im Vergleich zu den meisten Mitbewerbern.

Live-Streaming Apps

Ganz groß im Kommen in den letzten Jahren sind Live-Streaming Angebote, die inzwischen fast auf jedem Smartphone zu finden sind. Das beste Beispiel ist natürlich YouTube, das in letzter Zeit immer mehr auf Live-Content setzt: Produktionskosten für Videos sind hoch und die meisten Channels können nur wöchentlich neuen Content produzieren. Durch Live-Streams sind die Fans nicht nur näher am Geschehen dran, die Channel können auch mehr Videos produzieren - immerhin ist ein Live-Stream deutlich weniger aufwendig in der Herstellung. Ein weiterer Trend sind Live-Casinos. Hier sieht der Spieler in Echtzeit, wie die Kugel beim Roulette sich ihren Weg zu einer Zahl bahnt und die Karten beim Blackjack werden von einem echten Dealer ausgegeben. Auch Seiten wie Twitch sollten nicht vergessen werden: Der E-Sport boomt inzwischen, viele Spieler schauen auf ihren Smartphones über Twitch und Co. Kämpfe bei Dota 2, Overwatch oder Playerunkown’s Battlegrounds. Apps wie Periscope erlauben es dem Nutzer, Videos auch für ausgewählte Zuschauer zu streamen - so kann man den Freundeskreis gezielt an eigenen Aktivitäten teilhaben lassen. Und YouNow setzt vor allem auf eine jüngere Zielgruppe, die gern direkt aus ihrem Alltag berichtet. Falls Microsoft es schafft, Live-Streaming auf seinen Geräten richtig zu pushen, könnte das vor allem die Technik-begeisterte Zielgruppe auf Windows Phones aufmerksam machen.

Ein weiterer Trend, auf den Microsoft setzen könnte, ist Augmented Reality. Nachdem Google schon seit längerer Zeit mit AR experimentiert, und Apple seit diesem Jahr endlich nachgezogen hat, gibt es wohl keinen Zweifel mehr: Augmented Reality wird in naher Zukunft ein ganz großes Thema werden. IKEA hat bereits eine App gezeigt, mit der man Möbel per AR ins heimische Wohnzimmer projizieren und somit gleich testen kann, ob der neue Schrank wirklich zur Einrichtung passt. Apps wie SkyGuide setzen auf AR, um Sternenkonstellationen am Himmel realitätsnah auf dem Handy-Display erscheinen zu lassen - man sieht in den „wirklichen“ Himmel, Konstellationen und Planeten sind aber beschriftet. Erst neulich hat eine Augmented Reality App Wellen geschlagen, bei der man sehen kann, wie andere Menschen ohne Make-Up aussehen. Auch Anwendungen mit virtuellen Metermaßen gibt es bereits zum Download. Hier könnte Microsoft ansetzen - und tatsächlich wird Augmented Reality unsere Welt wohl ähnlich revolutionieren, wie die Smartphones es in den letzten zehn Jahren gemacht haben. Zwei Probleme gibt es jedoch: Erstens sind Apple und Google mit ihren Plattformen hier weit voraus. Was man für AR Apps vor allem braucht, sind kreative Entwickler und die werden sich fürs Erste auf iOS und Android konzentrieren - wo die große Mehrzahl der Nutzer zu finden ist. Und zweitens wird Augmented Reality wohl erst so richtig massentauglich werden, wenn die ersten richtig guten und frei erhältlichen Brillen oder - vermutlich in zehn Jahren - Kontaktlinsen auf dem Markt sind. Dann werden wir alles um uns herum mit Hilfe von AR beeinflussen und steuern können und erwarten, dass unsere Küchengeräte, Lampen, Heizungen und Sound-Anlagen sich mit einem einzigen bewussten Blick steuern lassen. Eventuell ist die geringe Verbreitung von AR-fähigen Smartphones aber auch eine Möglichkeit für Microsoft, in den Markt einzusteigen: Die Mehrzahl der Android-Geräte und alle älteren iPhones sind nur sehr bedingt für Augmented Reality gerüstet. Das könnte den Vorteil der großen Verbreitung der beiden Betriebssysteme schmälern.

Wenn Microsoft es schafft, den hier genannten Trends nicht nur zu folgen, sondern führend in ihnen zu werden, dann kann das Unternehmen seine Position im Smartphone-Markt in Zukunft deutlich stärken. In jedem Fall muss das Unternehmen seine Ressourcen intelligent einsetzen, wenn es noch eine zweite Chance erhalten will, den Markt zu erobern. Mit Apple und Google gibt es für Microsoft starke Konkurrenz. Doch abhalten sollte es sich davon nicht lassen, immerhin ist der Smartphone-Markt nach wie vor äußerst lukrativ.

 

Dieser Beitrag wurde geschrieben von am Donnerstag, 23. November 2017 um 00:00 und eingeordnet unter WBlog .

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