Peter Gabriel "New Blood Live", König-Pilsener-Arena Oberhausen, 3.5.2012

Ich bin selten sprachlos... dazu bedarf es schon besonderer Umstände. Die allerdings waren heute vorhanden: Peter Gabriel in der König-Pilsener-Arena in Oberhausen auf seiner "New Blood Orchestra 2012"-Tour.

Die CD, DVD und 3D-blu-Ray hatte ich schon ein wenig länger, und die neuen Termine eben unter anderem in Oberhausen waren dann Grund genug, endlich einen weiteren Superstar auf meiner Konzertliste abzuhaken. Zumal Gabriel wie ein guter Wein reift: Die Stimme ist auch in den hohen Tonlagen noch verdammt gut, da könnte sich der Herr Dick eine dicke Scheibe von abschneiden. :-)

Klar war, dass es alles andere als ein Rockkonzert würde, dafür sprach der orchestrale Grundgedanke des Konzertes und die Bestuhlung auch im Innenraum (Wonne für meine gequälten Knochen... :-) Allerdings war mir im Vorfeld nicht klar, WIE gut und eindrucksvoll es werden würde.

 

Ich habe zweimal die Night of the Proms erlebt, die ja auch die Symbiose aus kontemporärer und klassischer Musik zum Ziel hat, mit durchaus interessanten Künstlern wie Roxette, Heaven 17, Christina Stürmer (!), Alan Parsons, Boy George (siehe auch mein Bericht hier). Das war schon klasse, allerdings konnte ich mich nie von dem Eindruck freimachen. dass der Gesang auf die Musik aufgesetzt und nicht in sie integriert war. Das hat Peter Gabriel ohne Frage perfektioniert. Das New Blood Orchestra (auf dem Deutschland-Arm der Tour halb aus London, halb aus Köln rekrutiert) umschliesst mit seinem Klangteppich Gabriels Stimme, fängt sie ein und bereichert sie.

Dazu kam - zumindest heute Abend - ein gut aufgelegter Peter Gabriel, der für seine Verhältnisse Plapperwasser getrunken hatte. Los gings mit seinen Zetteln für die deutschen Ansagen, die sich von Geisterhand versortiert hatten... und Gabriel, der nach einer Minute prustend vor dem Mikro stand und meinte "It´s too early for a fuck up"... :-) Wobei: Ansagen sind eh´ überbewertet, gehaltvoll sind sie sowieso nicht.

Knappe zwei Stunden hat er gespielt, ohne nennenswerte Pause, allerdings auch ohne Zugabe. Die Zeit ist im Flug vergangen, kein Aussetzer, kein Füllmaterial. Leider vermisst habe ich "Blood of Eden" und "Here comes the Flood" (was er das eine oder andere Mal in Deutschland ja auch - vom "Deutschen Album" - auf Deutsch gesungen hatte). Auf der anderen Seite: Die perfekte Setlist gibt es nicht, und die, die er heute hatte, war schon klasse.

Was mich immer wieder zwischen Respekt zollen und mit dem Kopf schütteln schwanken lässt: Warum nimmt er immer noch seine Tochter Melanie als Background mit? Keine Tour, wo sie nicht gegen die wechselnden Kolleginnen abstinkt... und die heutige Solo-Darbietung von "Downside Up" war mal wieder ein besonders zahnschmerzender Moment... :-) Ansonsten: Klasse Orchester, unglaublicher Klang und Abmischung, jeden der fast 100 Euro wert...!

Dieser Beitrag wurde geschrieben von am Freitag, 4. Mai 2012 um 09:00 und eingeordnet unter Blog , Rock and Roll .

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